2 Tage Boatshow Cannes - und unsere Lagoon 47

Zwei Tage auf der internationalen Boatshow in Cannes: Wir sehen unsere neue Lagoon 47 erstmals live, entdecken viele durchdachte Details und zeigen, wie wir MANAIA für unseren Einsatz in Kroatien ausgestattet haben.

Unsere erste Begegnung mit der Lagoon 47 – zwei Tage in Cannes

Man kann sich monatelang Pläne anschauen, Renderings studieren, Ausstattungslisten vergleichen und jede einzelne Option diskutieren. Aber irgendwann kommt der Moment, an dem man das eigene zukünftige Schiff zum ersten Mal wirklich vor sich sieht.

Für uns war dieser Moment letzte Woche beim Cannes Yachting Festival gekommen.

Zwei Tage lang waren wir auf der Messe unterwegs, haben uns die neue Lagoon 47 erstmals live angesehen, unzählige Details geprüft, Fotos gemacht und uns mit anderen Skippern und Eignern ausgetauscht. Und natürlich wollten wir vor allem eines wissen:

War unsere Entscheidung für die Lagoon 47 die richtige?

Nach diesen zwei Tagen ist unsere Antwort ziemlich eindeutig: Ja.

Und in einigen Punkten hat uns das Schiff sogar noch mehr überzeugt, als wir erwartet hatten.

Lagoon 47 Katamaran an der Cannes Boatshow

Lagoon hat zugehört

Was bei der neuen Lagoon 47 auffällt: Viele Lösungen wirken nicht wie Designideen, die am Schreibtisch entstanden sind, sondern wie Antworten auf Erfahrungen aus dem wirklichen Bordalltag.

Genau das bestätigt auch Lagoon selbst. Die Werft beschreibt die 47 ausdrücklich als ein Schiff, das aus den Ideen und Wünschen seiner Nutzer entwickelt wurde. Für die Entwicklung wurden laut den auf der Lagoon-Seite zitierten Berichten rund 2.000 Lagoon-Eigner einbezogen. Und das merkt man.

Nicht durch irgendein spektakuläres Einzelfeature, sondern durch viele kleine Dinge: Wege an Bord, Stauraum, Sicht vom Steuerstand, Anordnung der Kabinen, Nutzbarkeit der Aussenbereiche und die Verbindung der unterschiedlichen Lebensräume.

Die Lagoon 47 fühlt sich für uns dadurch weniger wie ein komplett neu erfundenes Boot an, sondern eher wie die Summe sehr vieler Erfahrungen mit den bisherigen Lagoon-Modellen.


Was uns besonders überrascht hat: die Bauqualität

Einen der stärksten Eindrücke hat bei uns der Innenausbau hinterlassen.

Wir haben auf den vergangenen Messen viele Katamarane gesehen und fahren seit 4 Jahren selbst einen eigenen Katamaran, eine Fountaine Pajot 42 Astrea. Wir wissen inzwischen ziemlich genau, wo man hinschauen muss. Spaltmasse, Scharniere, Beschläge, Schranktüren, Oberflächen, Übergänge und die vielen kleinen Stellen, die man auf Hochglanzfotos normalerweise nicht sieht.

Bei dem in Cannes ausgestellten Schiff war unser Eindruck aussergewöhnlich gut.

Die Möbel wirkten sauber verarbeitet, Türen und Schränke solide, die Materialien hochwertig und die gesamte Innenausstattung deutlich erwachsener, als wir es teilweise von früheren Grossserien-Katamaranen kennen. Viele Dinge sind an der Lagoon 47 gelöst, die wir an unserem derzeitigen Schiff teilweise schmerzlich vermissen.

Natürlich haben wir in Cannes die Baunummer #1, ein Messeboot gesehen und nicht unser eigenes Schiff. Trotzdem war die gezeigte Fertigungsqualität für uns ein sehr positives Signal.

Für MANAIA haben wir uns bei der Innenausstattung für das Design Sorrento entschieden – genau die Kombination, die wir auch auf den Fotos und beim ausgestellten Schiff besonders stimmig fanden. Helle, moderne Flächen, warme Holztöne und eine insgesamt sehr ruhige Gestaltung passen für uns hervorragend zu einem Schiff, auf dem man nicht nur eine Woche Urlaub verbringt, sondern über längere Zeit wirklich leben möchte.

Lagoon 47 Katamaran grosse Doppelkabine

Das eigentliche Highlight: einmal gerade durchs Schiff

Wenn wir ein Merkmal nennen müssten, das die Lagoon 47 für uns von vielen anderen Katamaranen dieser Klasse unterscheidet, wäre es vermutlich dieses:

Man kann vom Achtercockpit durch den Salon direkt auf das Vordeck gehen.

Tür hinten auf, durch den Salon, Tür vorne auf – und man steht im grossen Frontcockpit.

Klingt zunächst banal. Ist es aber nicht.

Bei klassischen Katamaran-Layouts muss man vom Cockpit über die Seitendecks nach vorne. Auf der Lagoon 47 entsteht dagegen eine echte Achse vom Heck bis zum Bug. Innen- und Aussenbereiche gehen beinahe ineinander über.

Lagoon spricht von „interconnected areas“. Das trifft es ziemlich gut.

Besonders beeindruckend ist dabei die Grösse des Frontcockpits: 12 Quadratmeter. Dort gibt es richtige Sitzmöglichkeiten und viel Platz, sodass der Bereich nicht lediglich ein zusätzliches Sonnendeck ist, sondern tatsächlich zu einem weiteren Wohnraum an Bord wird. Trotz der Grösse des Frontcockpits hat das Trampolin noch eine vernünftige Grösse, um das zu tun was es soll, die Wucht grosser Wellen von vorne zu brechen.

Für uns ist diese direkte Verbindung eines der absoluten USPs der Lagoon 47.

Lagoon 47 Katamaran grosses Frontcockpit mit offener Tür

12 Quadratmeter zusätzliches Leben am Bug

Gerade im Mittelmeer wird dieser Bereich vermutlich einer unserer Lieblingsplätze werden.

Morgens vor Anker, wenn das Achtercockpit noch im Schatten liegt. Abends bei Sonnenuntergang. Oder einfach dann, wenn man ein wenig Abstand vom restlichen Geschehen an Bord möchte.

Das Spannende daran ist, dass die Lagoon 47 dadurch nicht einfach einen weiteren Sitzbereich bekommt. Das ganze Schiff verändert sich. Achtercockpit, Salon und Vordeck werden zu drei miteinander verbundenen Bereichen. Und darüber liegt noch die Flybridge.

Lagoon selbst spricht von mehr als 40 Quadratmetern Wohnfläche verteilt auf drei Aussenbereiche. Und das bei einer Rumpflänge von gerade einmal 14 Metern!

Für MANAIA war uns ausserdem wichtig, dass diese Flächen nicht nur in der Sonne funktionieren. Deshalb können bei unserer Ausstattung sämtliche wesentlichen Aussenbereiche mit Sonnensegeln abgeschattet werden. Gerade im kroatischen Hochsommer ist das für uns keine Nebensache, sondern ein echter Komfortfaktor.

Lagoon 47 Katamaran 3 grosse Aussenbereiche

Unser Layout: irgendwo zwischen Eignerschiff und Charteryacht

Für MANAIA haben wir uns für eine Konfiguration mit vier Doppelkabinen plus Storage-/Utility-Room entschieden.

Für unser Nutzungskonzept ist das ideal.

Wir wollen MANAIA professionell für unsere Gäste einsetzen, aber gleichzeitig soll sie unser eigenes Schiff bleiben. Ein reines Charterlayout wäre uns deshalb zu kompromissorientiert gewesen, eine klassische Eignerversion wiederum hätte wertvolle Gästekapazität gekostet.

Unsere Lösung liegt genau dazwischen. Besonders der vordere Bereich im Backbordrumpf lässt sich dadurch fast wie ein eigener Eignerbereich nutzen. Zusammen mit den angrenzenden Räumen und zwei Bädern auf dieser Seite entsteht ein Bereich mit erstaunlich viel Privatsphäre. Gleichzeitig bleiben vier vollwertige Doppelkabinen erhalten.

Der zusätzliche Storage-/Utility-Room war für uns ebenfalls wichtig. Wer längere Zeit auf einem Schiff lebt oder arbeitet, weiss, wie wertvoll ein Raum ist, in dem Werkzeug, Ersatzteile, Vorräte, Technik und all die Dinge verschwinden können, die ansonsten irgendwann in Kabinen und Schränken verteilt liegen.

Für einen Eignerbetrieb wie unseren ist das aus unserer Sicht eine der sinnvollsten Layout-Optionen.

Layout 47 Katamaran Layout MANAIA

Jede Kabine mit eigener Klimaanlage

Beim Komfort wollten wir bewusst keine halben Lösungen.

Deshalb erhält bei MANAIA jede Kabine und der Salon eine eigene Klimaanlage. Damit kann jede Kabine individuell temperiert werden, ohne dass alle Gäste dieselben Einstellungen übernehmen müssen.

Das ist gerade bei Chartergästen ein Punkt, der schnell unterschätzt wird. Der eine schläft gern kühl, der andere braucht kaum Klimatisierung. Mit einer separaten Regelung pro Kabine lässt sich das wesentlich angenehmer lösen.

In Kombination mit unserem Energiesystem und dem Silent-Mode-Konzept soll die Klimatisierung zudem möglichst oft betrieben werden können, ohne dass ständig der Generator laufen muss.


Der Steuerstand sitzt dort, wo wir ihn haben wollen

Auch eine andere Änderung gefällt uns ausgesprochen gut: Der Steuerstand befindet sich seitlich auf der Steuerbordseite der Flybridge. Für uns als Skipper ist das mehr als eine gestalterische Änderung.

Gerade beim An- und Ablegen entscheidet Sicht über entspanntes oder unnötig kompliziertes Manövrieren. Von der Steuerbordseite lässt sich die entsprechende Schiffsseite sehr gut kontrollieren, gleichzeitig bleibt die Kommunikation Richtung Cockpit möglich. Zusätzlich bekommt MANAIA Kameras am Heck. Damit haben wir beim Rückwärtsfahren und insbesondere beim Anlegen eine weitere optische Kontrolle über die Bereiche, die vom Steuerstand aus naturgemäss nicht perfekt einzusehen sind.

Für den späteren Charterbetrieb ist das ebenfalls wichtig. MANAIA soll trotz ihrer knapp 15 Meter Länge ein Schiff bleiben, das sich mit kleiner Crew kontrolliert und übersichtlich manövrieren lässt.

Lagoon 47 Katamaran Steuerstand auf der Flybridge

Und sie soll auch segeln

Komfort ist für uns wichtig. Aber MANAIA bleibt ein Segelschiff.

Deshalb haben wir uns intensiv mit Rigg, laufendem Gut und Bedienbarkeit beschäftigt.

Die Führung der Leinen zum Steuerstand wirkt aufgeräumt und nachvollziehbar. Das ist gerade dann wichtig, wenn nicht ständig mehrere erfahrene Segler an Deck stehen sollen.

Bei unserer Ausstattung gehen wir hier noch einen Schritt weiter: Alle Winschen sind elektrisch.

Auch die Rollanlage des Vorsegels arbeitet elektrisch, ebenso die Rollanlage am Bugspriet. Damit lassen sich die wesentlichen Segelmanöver auch mit kleiner Crew wesentlich komfortabler durchführen.

Beim Rigg haben wir uns bewusst gegen die Rollsegel-Lösung entschieden. Lagoon bietet für die Lagoon 47 neben der Rollsegel-Konfiguration auch einen klassischen Mast und klassischen Kanubaum als wählbare Option an. Genau diese Variante haben wir gewählt.

Für uns war die Entscheidung relativ klar: Das Rollgrosssegel ist komfortabel, bietet aber deutlich weniger Segelfläche. Wir wollten deshalb lieber ein klassisches Grosssegel mit entsprechender Fläche und ein Rigg, das unserer Vorstellung von einem richtigen Segelkatamaran entspricht.

Zusätzlich bekommt MANAIA mit Code Zero und Gennaker zwei weitere Segel an Bord. Damit erweitert sich unser Einsatzbereich deutlich – gerade bei leichteren Winden und auf längeren Kursen, auf denen zusätzliche Segelfläche und ein flexiblerer Segelplan einen spürbaren Unterschied machen können.

Die offiziellen Zahlen zeigen ohnehin, dass wir hier längst nicht mehr über ein kleines Schiff sprechen: 128 m² Segelfläche am Wind nennt Lagoon für die Lagoon 47.

Die Standardkonfiguration wird von Lagoon mit einem kleineren Rollgrosssegel angeboten. Für MANAIA setzen wir dagegen bewusst auf die klassische Mast-/Kanubaum-Lösung.

Ein Katamaran Lagoon 47 unter Segeln auf dem Meer.

Fast 15 Meter – und trotzdem nicht überdimensioniert

Auf dem Papier ist die Lagoon 47 inzwischen ein ziemlich grosses Schiff.

Die offiziellen Daten:

14,95 m Gesamtlänge
7,96 m Breite
1,25 m Tiefgang
18 Tonnen Leerverdrängung nach CE-Angabe
128 m² Segelfläche am Wind
2 × 57 PS Motorisierung
700 Liter Frischwasser
860 Liter Diesel

Konstruiert wurde die Lagoon 47 von VPLP Design, das Aussendesign stammt von Patrick le Quément, für das Interieur zeichnet Nauta Design verantwortlich.

Trotz dieser Dimensionen hatten wir an Bord nicht das Gefühl, uns auf einem unübersichtlichen Schiff zu bewegen.

Das ist wahrscheinlich eines der grössten Komplimente, die man einem knapp 15 Meter langen Katamaran machen kann.


Autarkie war für uns ein zentrales Thema

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Konfiguration liegt auf der möglichst grossen Unabhängigkeit vor Anker.

MANAIA bekommt deshalb einen Wassermacher, sodass wir nicht bei jeder Gelegenheit einen Hafen anlaufen müssen, nur um die Frischwassertanks aufzufüllen.

Gerade in Kroatien ist das für unser Nutzungskonzept entscheidend. Wir wollen möglichst viel Zeit in Buchten verbringen und die Route nicht danach planen müssen, wann wieder Wasser gebunkert werden kann.

Auch bei der Energieversorgung haben wir entsprechend grosszügig konfiguriert.

An Bord kommt ein 12-kW-Onan-Generator zum Einsatz. Zusätzlich erhält MANAIA Solarpaneele sowohl auf dem Salondach als auch auf dem Dach der Flybridge.

Damit stehen drei Energiequellen zur Verfügung: Landstrom, Generator und Solarenergie – ergänzt um die leistungsfähige Lithium-Batteriebank.

Genau diese Kombination soll dafür sorgen, dass wir möglichst viel Zeit autark verbringen können und den Generator nur dann einsetzen müssen, wenn er tatsächlich benötigt wird.


Silent Mode: nachts möglichst ohne Generator

MANAIA bekommt ausserdem das von Lagoon angebotene Lithium Silent Mode Package.

Die Idee dahinter ist für uns hochinteressant: Grosse elektrische Verbraucher sollen über die Batteriebank betrieben werden können, ohne permanent den Generator laufen lassen zu müssen. Insbesondere nachts vor Anker wäre das ein enormer Komfortgewinn.

Unser Ziel ist, die Klimaanlagen während der Nacht über die Batteriebank betreiben zu können, während der Generator tagsüber oder am frühen Abend gezielt zum Nachladen und für andere grosse Verbraucher eingesetzt wird.

Zusammen mit den Solarpaneelen ergibt sich daraus ein Energiesystem, bei dem der Generator nicht automatisch jedes Mal anspringen muss, sobald etwas mehr Leistung benötigt wird.

Die konkrete Batteriekapazität und die tatsächliche Laufzeit der Klimaanlagen werden wir später an Bord selbst messen. Lagoon veröffentlicht für die konkrete Silent-Mode-Konfiguration der Lagoon 47 derzeit noch keine für uns belastbaren Laufzeitwerte. Das werden wir deshalb nicht theoretisch beantworten, sondern später unter realen Bedingungen testen. Eines steht aber jetzt schon fest: Ein ruhiges Schiff in einer kroatischen Bucht, auf dem nachts nicht stundenlang ein Generator läuft, entspricht ziemlich genau unserer Vorstellung von Komfort.


Elektrische Badeplattform – ein Detail mit grosser Wirkung

Auch am Heck haben wir uns für eine Option entschieden, auf die wir uns besonders freuen: die elektrische Badeplattform. Auf einem Charterkatamaran ist der Heckbereich ohnehin einer der meistgenutzten Plätze.

Schwimmen, Schnorcheln, SUPs, Dinghy, Wassersport oder einfach die Füsse ins Wasser halten – vieles spielt sich dort ab. Mit der absenkbaren Plattform wird daraus ein wesentlich grösserer und komfortablerer Zugang zum Wasser. Gleichzeitig erleichtert sie das Ein- und Aussteigen und schafft vor Anker praktisch eine zusätzliche Terrasse direkt auf Wasserniveau.

Gerade mit unseren geplanten Wassersportaktivitäten dürfte dieser Bereich ziemlich häufig genutzt werden.

Lagoon 47 Katamaran auf Cannes Boatshow

Dinge, die man erst an Bord richtig wahrnimmt

Und dann gibt es diese vielen Details, die in einer Spezifikationsliste kaum vorkommen.

Der grosse, überbreite Kühlschrank mit Gefrierschrank. Die moderne Bordelektronik. Die sinnvoll angeordneten Stauräume. Die breiten Wege. Die Dimensionen des Frontcockpits. Die grossen Fensterflächen. Die Sichtlinien durch den Salon. Die Möglichkeit, dass mehrere Menschen gleichzeitig an unterschiedlichen Stellen des Schiffes sitzen können, ohne sich gegenseitig auf die Füsse zu treten.

Oder eben die Summe all der Ausstattungsdetails, die wir für MANAIA gewählt haben: elektrische Winschen, elektrische Rollanlagen, Kameras am Heck, Wassermacher, Generator, Solarenergie, Klimatisierung jeder einzelnen Kabine, Silent Mode, elektrische Badeplattform und die Möglichkeit, praktisch jeden Aussenbereich zu beschatten.

Keines dieser Features allein macht ein Schiff aus.

In der Summe entscheiden solche Dinge aber darüber, wie angenehm das Leben an Bord später tatsächlich ist.

Lagoon 47 Katamaran mit grossem Salon

Zwei Tage, viele Gespräche und noch mehr Vorfreude

Fast genauso interessant wie das Schiff selbst waren unsere Gespräche auf der Messe.

Mit anderen Eignern. Mit Skippern. Mit Menschen, die seit vielen Jahren auf Katamaranen unterwegs sind.

Man diskutiert plötzlich Dinge, über die wahrscheinlich nur Bootsbesitzer minutenlang ernsthaft sprechen können: Leinenführung, Stauvolumen, Dinghy-Lösungen, Batteriekapazitäten, Positionen von Winschen oder die Frage, von welcher Stelle man beim Rückwärtsfahren einen Dalben am besten sieht.

Genau dafür sind solche Messen aber wertvoll. Prospekte können technische Daten vermitteln. Erfahrung entsteht im Gespräch.

Personen im Gespräch auf der Boatshow Cannes.

Und plötzlich wird aus einem Projekt ein echtes Schiff

Bislang existiert MANAIA für uns zu einem grossen Teil aus Plänen, Konfigurationen, Optionslisten, Zeichnungen und vielen Entscheidungen. In Cannes hat sich das verändert.

Wir konnten durch genau die Räume gehen, die bald unser Zuhause auf dem Wasser sein werden. Wir standen am Steuerstand. Wir sassen im Frontcockpit. Wir öffneten Schränke. Wir gingen durch die Kabinen. Und zum ersten Mal konnte man sich ziemlich genau vorstellen, wie es sein wird, wenn MANAIA nicht mehr auf einer Bestellbestätigung steht, sondern vor uns im Wasser liegt.

Mitte Mai 2027 ist es soweit.

Dann werden wir unsere Lagoon 47 übernehmen. Und unmittelbar danach beginnt der nächste Teil der Geschichte: die Überführung Richtung Kroatien und damit die erste richtige Reise von MANAIA. Sie führt uns 2’500 Seemeilen von Les Sables-d’Olonne quer über die Biskaya entlang der portugiesischen Küste nach Gibraltar. Nach dem Stopover in Gibraltar gehts weiter durchs westliche Mittelmeer, südlich an Sardinien vorbei durch die Strasse von Messina zwischen Sizilien und dem italienischen Festland nach Otranto und von dort mit einem letzten Schlag direkt nach Trogir in unseren Heimathafen in Seget-Donji. Wir planen mit ca. 17-20 Reisetagen, an denen wir das Schiff nicht nur kennenlernen, sondern auch intensiv testen werden. Je nach Wetter, dürfte bereits die Überquerung der Biskaya die erste Herausforderung für Schiff und Mannschaft sein. Wir freuen uns darauf! Tea, unsere angestellte Skipperin und ich werden das Schiff abwechselnd führen und werden dabei noch von einem dritten Skipper unterstützt.

Segelroute von Les Sables d'Olonne nach Trogir

Darauf freuen wir uns inzwischen noch ein bisschen mehr als vor Cannes, denn jetzt wissen wir ziemlich genau, worauf wir warten.